Es ist Freitagabend Ende März gegen 21:00 Uhr als eine Gruppe von 10 Französischschülerinnen und -schülern aus den Oberschulen Sayda und Rechenberg - Bienenmühle am Bahnhof Bienenmühle aus dem Bus aus Dresden aussteigen. Sie sind nach einer langen Zug- und Busfahrt wieder dort gelandet von wo sie am Montag davor in das Abenteuer 14 französische Schülerinnen und Schüler kennenzulernen, aufbrachen. Sie alle sind müde doch sehr zufrieden über die fünf Tage des Treffens, des Zusammenlebens und des miteinander Arbeitens mit ihren französischen nun Schulfreundinnen und Schulfreunden.
Die Mutter einer Schülerin bringt den Erfolg der erlebten Drittortbegegnung in einer Dankesnachricht direkt zum Ausdruck: „Meine Tochter hat viele neue Eindrücke gesammelt, tolle neue Leute kennengelernt und noch mehr Freude an der französischen Sprache gefunden. Danke für alles!“ Aus den Berichten der Eltern und den Aussagen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler wird deutlich, dass unsere Kinder die Wirklichkeit und auch Schönheit der französischen Sprache direkt im Kontakt mit ihren jetzt französischen Freunden life erleben konnten. Das ist sofort etwas ganz anderes als sich in Schulstunden mit einer fremden Sprache zu beschäftigen. Dass diese Drittortbegegnung Wirklichkeit werden konnte ist der viele Monate andauernden Tatkraft und des enormen positiven Engagements von Frau K. Lohse – Französischlehrerin in Sayda – und Madame S. Reinard – Deutschlehrerin am Collège André Duchesne – zu verdanken. Doch auch die großzügige Förderung dieses Projektes durch das Deutsch-französische Jugendwerk (DFJW) hat dieses Treffen erst ermöglicht.
Das Treffen der Schülerinnen und Schüler stand unter dem Motto „anderes Land – anderes Wohnen?“. Das Fragezeichen bringt zum Ausdruck in wieweit Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Wohnen und der Ausstattung von Dörfern und Kleinstädten festgestellt werden können. Damit war dann auch das Ziel der gemeinsamen Arbeit formuliert: Wie kann unsere ideale deutsch – französische Stadt aussehen und welche Gemeinsamkeiten charakterisieren diese Stadt.
Alle Teilnehmer waren zur Vorbereitung des Treffens aufgefordert, eine digitale Foto-Collage von verschiedenen Örtlichkeiten (z.B. Park, Schule, Kirche, Supermarkt u.a.) ihres Wohnortes anzufertigen. Die Fotos waren dann in Deutsch und Französisch beschriftet und wurden in einer gemeinsamen App gespeichert, zu der alle Teilnehmer Zugang hatten.
Als Highlights des gemeinsamen Aufenthaltes waren Exkursionen zum Vitra-Campus in Weil am Rhein sowie in die Städte Freiburg und Mulhouse vorgesehen.
Am Anreisetag montags wurde die deutsche Teilnehmergruppe von den französischen Kindern schon aufgeregt erwartet. Die deutsche Gruppe konnte mit zweistündiger Verspätung in der Jugendherberge Lörrach gerade noch ein Abendessen ergattern. Nach schnellem Einchecken erfolgte eine erste Runde des sich Kennenlernens durch Sprachanimation und verschiedene Spiele. Die Teilnehmer stellten sich in ihrer Muttersprache vor.
Natürlich wollten die Teilnehmer auch die vorbereiteten Collagen ihrer Heimatorte präsentieren. Diese Aufgabe war etwas komplizierter sollte doch die Präsentation in der jeweiligen Fremdsprache erfolgen. Im Wechsel von Sprachanimationen, Spielen zum weiteren Kennenlernen und der Vorstellung der Collagen verging der Dienstagvormittag wie im Fluge.
Und nachmittags stand der Besuch des Vitra Campus auf dem Programm. Erstaunlich was in den Jahren nach 1981, nach der fast vollkommenen Vernichtung der Produktionsanlagen des Möbelherstellers Vitra durch einen Großbrand, auf dem Firmengelände entstand. Heute ist der Vitra Campus ein Ensemble der Weltarchitektur für industrielle Bauwerke. Auf relativ kleinem Raum zeigt sich eine Vielfalt zeitgenössischer Gebäude und Produktionsstätten von weltbekannten Architekten wie Nicholas Grimshaw, Frank O. Gehry, Zaha Hadid, Tadao Ando, Alvaro Siza, Herzog & de Meuron, SANAA und Kazuo Shinohra (Broschüre des Vitra Campus). Das VitraHaus von Herzog & de Meuron, eröffnet 2010, ist das höchste Gebäude auf dem Campus und dient als Besucherzentrum und Flagship-Store. Es besteht aus scheinbar spielerisch aufeinander gestapelten, langgezogenen Giebelhäusern, die ineinander verbaut wurden. (Wikipedia)
Sicher werden einige der Teilnehmer sich bewusst sein, dass sie an dieser Stelle und während der Führung durch den Campus, etwas einmalig Interessantes und Schönes gesehen haben.
Die folgenden zwei Tage waren von den Stadtexkursionen der Universitätsstadt Freiburg im Breisgau und Mulhouse im Elsass geprägt.
In vier gemischten deutsch-französischen Gruppen wurde die Stadt Freiburg erkundet. Eine Aufgabe war es einerseits mindestens 10 verschiedene und allgemeine Dinge einer deutschen Stadt zu fotografieren. Andererseits Besonderheiten dieser alten Stadt zu finden und zu dokumentieren. Zum Beispiel wurde gefragt wie viele Partnerstädte Freiburg in der Welt hat. Großes Erstaunen nachdem die Liste der Städte angefertigt war. Sage und schreibe ist nahezu die ganze Welt vertreten. Die erste Partnerstadt war Besançon (1959), dann folgten die Städte Innsbruck, Padua (Italien), Guildford (Großbritannien), Lwiw / Lemberg (Ukraine), Madison (USA), Matsuyama (Japan). Granada (Spanien), Isfahan (Iran) (dessen Partnerschaft aufgrund von Verletzungen der Menschenrechte eingefroren ist), Wiwilí (Nicaragua), Tel Aviv-Jaffa (Israel) und als letzte Stadt Suwon (Südkorea). Es wurde ebenso nach der Besonderheit der „Bächle“ gefragt und auch nach einigen Namen der Wasserspeier am Freiberger Münster.
In der Feedback Runde am Abend wurde vor allem das nasskalte Wetter beklagt. Doch es hielt die Gruppen des Tages nicht ab intensiv als Dichter zu arbeiten. Jede Gruppe sollte ein Elfchen, ein aus 11 Wörtern bestehendes Gedicht, über Freiburg schreiben, in welchem sich die Verse in Deutsch und Französisch abwechselten. Die Kreativität der Gruppen war erstaunlich, besonders auch die intensive Kommunikation innerhalb der Gruppen.
Die erste Station nach Ankunft in Mulhouse war der Besuch des historischen Museums der Stadt, das ehemalige Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Anhand einer Liste von Fragen lernten die Schülerinnen und Schüler in Zweierteams viele Details über die Geschichte der Stadt. Anschließend erledigten sie in Sechserteams Aufgaben der „Rallye der 5 Sinne“ (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten). Am einfachsten war es Malereien zu identifizieren, die an Hauswänden bzw. ganzen bemalten Häusern die künstlerische Seite der Stadt demonstrieren (Sehen). Ebenso konnten Geräusche identifiziert werden, die allerdings nur schwer bildlich darstellbar sind. In einer kleinen Bäckerei konnten die Schüler den traditionellen elsässischen Kuchen „Gugelhupf“ probieren (Schmecken).
Am letzten gemeinsamen Abend war nach dem Tagesfeedback wieder Kreativität gefragt. Die vier Gruppen erhielten den Auftrag alle Fotos, die in Freiburg und Mulhouse geschossen wurden zu sichten und mit den ausgewählten Fotos ihre ideale deutsch-französische Stadt zu gestalten. Dazu galt es auch einen Namen und ein Motto zu erfinden.
In Windeseile war der letzte Tag unseres Treffens erreicht. Damit musste nun auch das abschließende Feedback angefertigt werden. Wie haben wir die vergangenen Tage erlebt, was nehmen wir mit nach Hause und in unsere Schulen? Was hat uns gut gefallen und was war nicht ganz so toll?
Das Foto der Ideen und Empfindungen ist selbstredend:
K. Lohse und Dr. W. Fischer
Vitra Haus
7. Berufsorientierungstag an der Oberschule Rechenberg-Bienenmühle
Am Freitag, dem 07. November 2025 fand an unserer Schule der 7. Berufsinformationstag für die Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 statt. Auch in diesem Jahr konnten wir zahlreiche Unternehmen aus verschiedenen Berufszweigen begrüßen.
Handwerker, Personaler, Lehrmeister und Azubis zeigten in 45minütigen Einheiten, wie vielfältig die Berufswelt ist. So wurden in den Klassenzimmern kleine Holzobjekte hergestellt, gelötet, geschraubt und geschnitten, gerätselt, Blutdruck gemessen, Zähne geputzt oder die Echtheit von Bargeld überprüft. Die Angebote waren zahlreich, für Jeden ist etwas dabei gewesen.
Ein Schüler-Café, organisiert von unseren Zehntklässlern, sorgte für das leibliche Wohl an diesem Tag.
Wir bedanken uns bei folgenden Unternehmen für ihre Teilnahme:
ACTech GmbH / Freiberg
Agentur für Arbeit / Freiberg
Agrargenossenschaft Bergland Clausnitz e.G. / Clausnitz
Alois Müller GmbH / Frauenstein OT Burkhartsdorf
AWO Freiberg
Bäckerei Schmieder / Frauenstein
Bauunternehmung Hartmann GmbH / Clausnitz
Bö-Fi Hoch-und Tiefbau GmbH / Lichtenberg
Bundespolizei
Deichmann GmbH
E & F Eßbach GmbH & Co.KG / Brand-Erbisdorf
Felix Schoeller GmbH & Co.KG
Finanzamt Freiberg
Haustein Aufzüge GmbH
Hotel Dachsbaude & Kammbaude / Seiffen
IBZ-Salzchemie GmbH & Co.KG / Halsbrücke
Johannesbad Raupennest / Altenberg
Kinderarche Sachsen e.V.
Kreiskrankenhaus Freiberg gGmbH / Freiberg
Landesbildungszentrum des Sächsischen Dachdeckerhandwerks e.V. / Bad Schlema
LTB Leitungsbau GmbH / Lichtenberg
Maschinentechnik Pretzschendorf GmbH / Klingenberg
Medizinisches Versorgungszentrum / Freiberg
Molkerei Hainichen-Freiberg GmbH & Co.KG
Remi GmbH / Bobritzsch-Hilbersdorf
Saxonia Galvanik GmbH / Halsbrücke
Siltronic AG / Freiberg
SINA Spielzeug GmbH / Neuhausen
Sparkasse Mittelsachsen / Freiberg
Stiftung Münch, Pflege- und Behindertenheime / Neuhausen
Tittel Feingerätetechnik GmbH & Co.KG / Frauenstein
Wendt & Kühn KG / Grünhainichen
Werkzeugbau Winkelmühle GmbH / Klingenberg
WIR Elektronic GmbH & Co.KG / Sayda
Die sechs besten Mädchen und Jungen der Klassenstufen 6 bis 10 (von links oben nach rechts unten).
Die letzten beiden Fotos zeigen die Gesamtsieger. Bei den Mädchen siegte Mathilde Schneider (8a) vor Lina Göhler (9b) und Luise Rothe (10b). Bei den Jungen gewann Hannes Rabe (6a) vor Stanley Löschner (7b) und Timo Nikulski (5b). Die Bilder der fünften Klassen und 9 männl. fehlen, weil einige Gewinner nicht auf der Homepage gezeigt werden dürfen.
Zu Beginn des Schuljahres 2025/2026 fand erstmalig für die 10. Klassen eine Bildungsfahrt statt.
In der Woche vom 25. bis 30. August 2025 besuchten insgesamt 50 Schüler unserer Schule die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und die Stadt Krakau.
Hr. Burda
Reiseblog
🚌 Tag 1 – Anreise & erster Eindruck (25.08.)
Am Morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Oświęcim. Nach der Ankunft in der Jugendherberge
hatten wir Freizeit, um uns ein wenig einzuleben und die Umgebung zu erkunden.
Am Abend schauten wir gemeinsam den Film „Schindlers Liste“, der thematisch auf unseren Besuch einstimmte. Die Stimmung war ruhig und nachdenklich – wir wussten, dass uns eine intensive Woche
bevorsteht.
🚶♂️ Tag 2 – Besuch im Stammlager Auschwitz I (26.08.)
Heute stand der Besuch des Stammlagers Auschwitz I auf dem Programm. Bei der Führung durch das ehemalige Konzentrationslager bekamen wir einen
eindrucksvollen Einblick in die grausame Geschichte des Ortes: Baracken, persönliche Gegenstände der Opfer, das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ und die Gaskammer.
Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, viele nutzten die Zeit für Gespräche oder um das Gesehene sacken zu lassen.
Am Abend reflektierten wir gemeinsam den Tag – viele Emotionen und Gedanken wurden geteilt.
🚶♀️ Tag 3 – Auschwitz-Birkenau & Klosterbesuch (27.08.)
Am Vormittag besuchten wir das weitläufige Gelände von Auschwitz-Birkenau. Die Ausmaße des Lagers, die zerstörten Gaskammern, der endlose
Stacheldraht – es war beklemmend und kaum in Worte zu fassen.
Nach der Führung fuhren wir in ein nahegelegenes Kloster, wo wir zu Mittag aßen. Anschließend besuchten wir eine Bilderausstellung eines Holocaust-Überlebenden, die sich ebenfalls mit der
Erinnerungskultur beschäftigte.
Am Abend hatten wir wieder Freizeit und eine gemeinsame Tagesauswertung, bei der viele ihre Eindrücke aus Birkenau teilten – für viele der bewegendste Tag bisher.
🧠 Tag 4 – Workshops & Monowitz (28.08.)
Am Vormittag nahmen wir an einem Workshop zum Thema „Monowitz – Auschwitz III“ teil – dem Arbeitslager, das eng mit der IG Farben verbunden
war. Anschließend fuhren wir zum ehemaligen Lagerstandort Monowitz. Auch wenn heute nur wenig erhalten ist, half die Vorbereitung, sich ein Bild vom grausamen Arbeitsalltag der Häftlinge zu
machen.
Am Nachmittag fand ein Workshop mit Mirko Koch statt – Thema: „Juden in Sachsen“. Dabei wurde der regionale Bezug deutlich, und es war erschütternd zu sehen, wie nah das Thema auch unserer Heimat
ist.
Die Parallelklasse nahm an diesem Tag an einem Workshop von Anita Borkowska zum Thema „Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen“ teil. Im Anschluss besuchten sie im Rahmen eines Stadtrundgangs
durch Oświęcim u. a. das jüdische Zentrum mit der Synagoge sowie den jüdischen Friedhof der Stadt.
Wie gewohnt ließen wir den Tag abends in einer Reflexionsrunde ausklingen.
🗣️🎶 Tag 5 – Zeitzeugengespräch & Krakau (29.08.)
Ein besonderer Programmpunkt war das Zeitzeugengespräch am Vormittag – bewegend und eindrucksvoll. Die persönlichen Erinnerungen gaben der
Geschichte ein Gesicht.
Danach fuhren wir nach Krakau, wo wir eine interessante Stadtführung durch das jüdische Viertel und die Altstadt erhielten.
Am Nachmittag hatten wir Freizeit in Krakau – einige besuchten Cafés, Souvenirläden oder gingen einfach spazieren.
Am Abend genossen wir ein gemeinsames Essen mit Musik in einem jüdischen Restaurant in der Altstadt. Später ging es zurück in die Jugendherberge.
🕊️ Tag 6 – Abschluss & Heimreise (30.08.)
Am letzten Tag der Fahrt fand eine abschließende Auswertung der Woche statt. Viele teilten persönliche Eindrücke, Gedanken und was sie aus der
Fahrt für sich mitgenommen haben.
Anschließend besuchten wir die „Alte Judenrampe“, wo früher die Züge ankamen – ein letzter, eindrücklicher Moment der Erinnerung.
Danach traten wir die Rückfahrt an – erschöpft, nachdenklich, aber mit dem Gefühl, etwas Wichtiges erlebt zu haben.
von Nele Müller und Greta Harag (10a)
Unsere Bildungsfahrt nach Polen
Da sind wir nun 10. Klasse und in einem Jahr sollen wir schon voll im Leben stehen. Wir bereiten uns eigentlich schon seit dem ersten Schultag darauf vor, die Schule mit einem guten Abschluss wieder zu verlassen. Und wie…? Ein Blatt Papier auf dem unsere Noten stehen, entscheidet später mal, wofür wir qualifiziert sind, welchen Job wir machen können oder auch nicht. Genau dafür sitzen wir 10 Jahre lang in der Schule? Dabei lernt man bereits in der ersten Klasse das Lesen und Schreiben, das Addieren und Subtrahieren. Man könnte sagen, dass in den ersten drei Schuljahren alle wichtigen Bausteine gelegt sind. Aber wir sitzen immer noch hier, unser 10. Schuljahr hat begonnen und das ist es, was wir uns fragen. Warum? Wird uns unser späterer Arbeitgeber mal nach dem Satz des Pythagoras fragen? Wohl kaum. Wird uns das Schreiben eines inneren Monologs später einmal aus der Klemme helfen, wenn wir feststellen, dass wir die Rechnung nicht bezahlen können? Nein. Die Schule ist viel mehr als ein Ort, an dem man das Lesen und Schreiben lernt. 10 Jahre haben wir für diese Erkenntnis gebraucht und dennoch ist sie uns gekommen. Dies sind die wichtigsten Jahre unseres Lebens, Jahre die für unsere Entwicklung eine erhebliche Rolle spielen. Einen Großteil dieser Zeit verbringen wir in der Schule, mit ganz vielen Menschen, die alle Hebel in Bewegung setzen, damit aus uns etwas wird.
So war es auch bei unserer Bildungsfahrt nach Polen. Wie der Name schon sagt, war es eine „Bildungsfahrt“ und dient natürlich an erster Stelle der Weiterbildung mit Fokus auf dem Geschichtsunterricht. Wird uns das einmal Weiterhelfen, etwas, was schon so lange her ist? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, sollte man vielleicht den gesamten Geschichtsunterricht einmal hinterfragen. Denn der Grund ist nicht, uns durch weitere Merkzahlen und Merkbegriffe zusätzlich zu belasten, sondern dass uns gezeigt wird, wie man mit anderen Menschen umgeht. Wir sollen Verständnis für die Vergangenheit entwickeln und lernen, Dinge kritisch zu überdenken. Der Geschichtsunterricht spielt also nicht nur in der Schule eine wichtige Rolle, er begleitet uns unser ganzes Leben lang. Doch wie vermittelt man Schülern dieses Wissen? Wie begeistert man junge Menschen, welche voller Hormone stecken und sich keine 30 Minuten am Stück konzentrieren können, ohne mit der Schere einen Radiergummi zu zerschneiden oder dem Banknachbarn ihre halbe Lebensgeschichte zu erzählen? Manche haben ein fotografisches Gedächtnis, die anderen lernen alles auswendig. Aber können sie es dann praktisch anwenden?
In Polen haben wir vieles gesehen, wir haben mit vielen Leuten gesprochen und wir konnten den Boden berühren, auf dem vor vielen Jahren Millionen von Menschen getötet wurden. Irgendwann werden wir es vielleicht bereuen, den Merkstoff zum Thema Mietberechnung weggeworfen zu haben. Aber egal wie viel wir zum Thema Judenverfolgung aufgeschrieben haben, wir werden das nie vergessen. Egal wie viele Hausaufgaben wir zu diesem Thema nicht gemacht haben, wir vergessen niemals das, was wir gesehen haben. Diese Bildungsfahrt hat einen großen Beitrag zu unserer politischen Bildung geleistet. Und zwar nicht die Meinung, die man sich bildet, nachdem man sich das politische Gerede bei einer Familienfeier vom Onkel dritten Grades angehört hat und denkt, dass man nun mitreden kann. Nein, es ist eine eigene Meinung. Man bildet sich selbst ein Urteil und zieht daraus seine Schlüsse. Wir sind unendlich dankbar für die Erfahrung und hoffen, dass dieses Projekt weitergeführt wird. Wir sind dankbar für Lehrer, welche verstanden haben, wie man uns zum Zuhören bringt. Eine Bildungsfahrt wie diese ist teuer, zeitaufwendig und kostet einige Lehrkräfte den letzten Nerv. Aber letztendlich ist es das, was bleibt. Wir hoffen, dass auch unsere kleinen Geschwister, die Kinder von Bekannten und vielleicht sogar unsere Kinder später diese Bildungsfahrt machen können.
von Lina Schmidt (10b)